Ich wusste ja eigentlich schon seit einigen Wochen, dass so etwas kommen musste, habe mich jedoch immer erfolgreich gegen die Vorstellung gewehrt. Bis ich dann vorletzte Woche mit meinem Laufbegleiter telefonierte, um abzuchecken, was ich denn so alles zum Müritzlauf mitnehmen soll (Rucksack? Lange Klamotten? Essen? Trinken?). 
Die Stimme am anderen Ende der Leitung sagte kurz vor Ende des Gesprächs: “Ach so – hol dir auf jeden Fall Kompressionsstrümpfe!” und “Nimm die von CEP, die sind super.” So weit war es also schon mit mir gekommen. Nix mit Dustin-Hoffman-Outfit, das ich eigentlich favorisiere (Baumwollklamotten, Schlabberlook).
Eine Kurzrecherche bei Amazon ergab, dass die CEP um die 45 Euro kosten sollten. Nee, das war (und ist) mir für ein paar Socken doch eine Spur zu dekadent. Mir fiel jedoch ein, dass einer meiner Kollegen Vertirebspartner der Marke Socksandwear bzw. X-Action ist, was mir bis dato nichts sagte. Vor einigen Monaten hatte er mir bereits mal angeboten, dort etwas zu bestellen, “wenn ich mal was brauche”. Das war nun tatsächlich der Fall, und so kam ich zu meinem ersten Paar Stützstrümpfen (Dass ich darüber hinaus auch noch “normale” Socken, ein Kompressions-T-Shirt und ein Kompressions-Langarmshirt bestellt hatte, sei nur am Rande erwähnt).
Die langen Strümpfe hielt ich also gestern in den Händen – Preis unter 20 Euro, auf der Packung steht “Made in Italy” – und zögerte einen Moment. Wird man mich verprügeln, verfolgen, mit dem Finger auf mich zeigen, wenn ich damit durch Wilhelmsburg laufe, und das noch zur Rush-Hour? Mir fiel ein, was ich damals vor fünf Jahren dachte, als ich in diesen Stadtteil zog. “Ich kann hier auch mit Unterhose einkaufen gehen, das ist den Leuten eh egal.” Naja, das stimmt natürlich nicht. Ich habe es selbst ausprobiert.
Nein, habe ich natürlich nicht. Jedenfalls bin ich dann, ausstaffiert mit Kniestrümpfen (weiß nicht, wann ich das letzte Mal Strümpfe trug, die mein Wadenbein mehr als die Hälfte bedeckten) und Kompressionsshirt. Wenn schon, denn schon. Entgegen meinen Befürchtungen gab es weder irritierte noch ungläubige oder gar böse Blicke. Normalität also, und das Tragegefühl der SEP-Socken (der Name scheint nicht ganz unbeeinflusst zu sein) war sehr angenehm. Nur an das Kompressionsshirt wollte ich mich zuerst nicht so recht gewöhnen, allerdings war das etwas enge Gefühl (das Teil sitzt eben hauteng) nach 15-20 Minuten vergessen, und meine Haltung wurde zusehends dynamischer.
Deshalb war ich wahrscheinlich auch immer eine Spur zu schnell bei meinem letzten längeren Lauf (20 km) vor dem Müritz-Event. Ich wollte eigentlich immer so um die 7 min/km laufen, lag aber ständig, wenn ich mal auf die Uhr schaute, bei 6:30. Das empfand ich aber nicht weiter als Belastung, was in mir die Frage aufkeimen ließ, ob Kompressionsstrümpfe irgendwas mit Doping zu tun haben. Wahrscheinlich eher nicht, es sei denn, man durchtränkt sie mit bestimmten Substanzen, die dann bei größerer Hitze infolge geweiterter Poren in den Organismus gelangen. Aber ich schweife ab.
Da ich eigentlich keine Vergleichsmöglichkeiten zu den CEP-Socken habe, kann ich zwar keine Pro-/ Contra-Bewertung abgeben. Den Härtetest müssen die X-Action-Modelle ja sowieso noch am Samstag über sich ergehen lassen. Aber den 20-km-Test haben sie (und ich) schonmal mehr als gut überstanden – das lässt hoffen!

18 August, 19:54
Ganz ehrlich, ich laufe schon über 20 Jahre Ultras, habe noch nie einen Stützstrumpf getragen, ihn auch nicht vermisst, laufen müssen deine Beine alleine, und wenn der Kopf auch noch möchte, dann geht es auch ohne, aber jeder muss selbst seine Erfahrung machen.
Trinken und Essen musst du nicht mitnehmen, du wirst gut versorgt, keine Gefahr des Verdurstens oder sogar des Verhungern.
Lange Klamotten zu Hause lassen, es wird dir so oder so warm, meist ist es sehr warm, aber selbst wenn es kühler werden sollte, die wirst du kaum brauchen, höchstens ein Hemd mit langen Ärmeln, die du dann hochkremplen kannst.
Und wenn es sehr warm ist, dann werden dir die Kniestrümpfe sicherlich auch lästig sein.
Nochmals viel Glück – und wie gesagt – jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen.
Bin gespannt auf deinen Bericht danach !
19 August, 00:28
Hallo Ultraistgut,
herzlichen Dank für deine Tipps! Ich denke, von deinen Erfahrungen kann ich durchaus profitieren. Und natürlich meine eigenen machen…
19 August, 10:37
Also die CEP sind saueng, ich habe nach dem Lauf immer tierisch zu tun, die wieder auszubekommen. Ansonsten streiten sich ja die Gelehrten, ob’s was bringt oder nicht. Ich weiß nur, gerade das eine Mal, wo ich sie nicht anhatte, habe ich mir prompt eine Muskelzerrung geholt.
Gruß
Holger
19 August, 11:01
Hallo Holger,
die SEP sind zwar nicht so eng, aber andererseits sind sie dann evtl. auch nicht so effizient. Ich werde sie aller Voraussicht nach doch beim Müritzlauf tragen – sonst hätte ich sie ja umsonst gekauft ;-)!
Grüße
Tilman
19 August, 12:37
Hier ist noch ein Thread aus unserem Forum, wo wir zu dritt den Müritzlauf absolviert haben. Mit Fotos und Berichten.
http://streakrunner.de/showthread.php?t=3320&highlight=M%FCritzlauf
Gruß
Holger
19 August, 12:41
Prima – danke schön!
16 September, 09:55
Bin das erste Mal auf deiner Seite! Kompliment!
Die leidige Stützstrumpf-Diskussion kenne ich nur zu gut und habe dazu auch einen Kommentar verfasst, als ich meinen ersten Marathon damit lief: http://huobaere.wordpress.com/2009/05/18/des-laufers-pech-verletzungen/
Meine Erfahrung sagt, dass diese unbedingt von einem Fachmann angemessen werden sollen. Denn wenn man so stramme Wadl wie ich hat und dazu noch enge S.E.P, dann hast irgendwann einmal kein Blut in den Adern!
Vor ein paar Wochen hab ich neue gekauft ;-)
Liebe Grüße – Reinhard
16 September, 11:28
@Reinhard:
Danke für die Blumen! Den ersten Ultra mit den Kniestrümpfen habe ich ja gut hinter mich gebracht, aber ich habe das Gefühl, dass es ohne auch genauso gut gelaufen wäre. Meine SEPs sind jedenfalls nicht zu eng, sonst hätte ich wahrscheinlich größere Probleme gehabt.
Viele Grüße
Tilman
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