Ziemlich warm war’s, dennoch musste ich los – es bot sich einfach genau heute an, einen Lauf über 30km zu machen, ohne dass ich mich mit Gewissensbissen, was die nicht verbrachte Zeit mit der Familie betrifft, quälen muss. Wir haben Besuch, Es sind Kinder da, im Auto ist eh kein Platz mehr für mich. Also verabreden wir uns am Strand im 37km entfernten Pottloch. Frage: Wann bist du denn ungefähr da? Antwort: So in 3,5 bis 4 Stunden. “Oh…”.
Ich packe meine paar Sachen zusammen, allerdings nicht ohne vorher noch einen Hefeteig für Pizza angesetzt zu haben: 2-Liter-Trinkblase in den Olmo, Android-Phone mit GPS-Tracker (neu erstanden und mein aktuelles Spielgerät…), Banane und Müsliriegel. Ach so und die Polar-Uhr, die mir immer die aktuelle Pace anzeigt, da muss ich das Handy nicht ständig aus der Tasche fummeln. Noch einen großen Becher Apfelschorle mit einer Prise Salz ‘runterkippen und los geht es. Immer die Straße entlang – heute will ich einfach nur geradeaus laufen, Autos kümmern mich nicht.
Dennoch – es läuft sich alles andere als leicht, auch wenn der Trinkrucksack sehr gut sitzt. Die Hitze ist ungewohnt, die 27km vom Vortag stecken mir auch noch in den Knochen. Und während der ganzen Zeit gelingt es mir nicht, mich wirklich zu entspannen. Immer wieder kommen Fragen und Gedanken auf wie “Was soll das hier eigentlich?”, “Warum mache ich das hier?”, “Sollte ich nicht doch besser einfach nur kürzere Strecken laufen?”, “Sollte ich mich vom Müritzlauf abmelden?” und so weiter. Außerdem versuche ich meine Atmung anders zu koordinieren, längere Atemzüge zu machen – 5-8 Schritte einatmen, 5-8 ausatmen (Ich habe sonst eine 4/4er-Atmung). So steht es in dem Buch von Wim Luijpers, das ich einige Tage vorher gelesen hatte und dachte, es sei eine gute Gelegenheit, bei einem langen Lauf doch mal ein wenig zu experimentieren. Naja, ich halte es durch, bin trotz der Beschwerlichkeit eigentlich optimistisch und mache nach 20km in Steinbergkirche Halt an der Tankstelle und gönne mir ein Eis, eine Cola und eine 5-minütige Gehpause.
Weiter geht es – ich stelle fest, dass Gehpausen durchaus gut sein können und ich laufe wieder erfrischt weiter, muss mich sogar etwas von den 5:30 herunterbremsen, will ich doch nicht schneller als 6:15 min/km sein.
Nach 31 km beschließe ich erneut, erst einmal etwas zu gehen – habe ich doch eigentlich mein Pensum erfüllt -, eine Banane zu essen und den Rest der Coke zu mir zu nehmen. (Und in solchen Momenten, in denen man eigentlich ganz zufrieden ist, geschehen häufig Dinge wie folgendes: Ein Rentnerehepaar kommt mir auf Fahrrädern entgegen – sie in ca. 10m Abstand hinter ihm – und er raunt mir angesichts meines Nicht-Laufens im Vorbeifahren und in irgendeinem Dialekt zu: “weidder, weidder”… Ja sowas kann man gut gebrauchen.).
Eine SMS und weitere 5 (gelaufene) Kilometer weiter komme ich in Pottloch an und werde mit Eis, Brötchen und schön kaltem Ostseewasser, durch das ich mit meiner Tochter wate, belohnt. Oh, und später am Abend natürlich noch mit einer selbstgebackenen Pizza.
Ach so: Wie bin ich eigentlich anschließend nach Hause gekommen? Soviel sei verraten: Gelaufen bin ich nicht. Und der Kofferraum eines älteren Ford Escort ist auch nicht sooo unbequem.

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