Zweiteres ist eine schöne Platte von Today is the Day. Und dann auch noch etwas, was man durch langes Laufen entwickeln kann. Mentale Stärke. Das wusste ich bereits vor meinem heutigen Lauf – dem dritten bereits nach meinem ersten Marathon vor 6 Tagen (Nachwehen gab es übrigens so gut wie keine, das leichte Ziehen in den Oberschenkeln war bereits am Dienstag wieder komplett verschwunden). 
In der Fachliteratur wird dies auch immer wieder betont, so auch in dem Buch, das ich mir heute kaufte: “Das große Buch vom Marathon” von Hubert Beck. Bei Amazon rangiert es bei den Kundenmeinungen vor den Büchern von Herbert Steffny, aber das nur am Rande. Ein wenig darin gelesen, und schon war ich hochmotiviert. Um 21 Uhr ab in die Laufklamotten und 90 Minuten durch das industrieromantische Wilhelmsburg gelaufen.
Denn was ich sofort ausprobieren musste – und was ich in den anderen beiden Laufbüchern stets vermisst hatte – war die Körperhaltung beim Laufen, die Beck in seinem Werk vorschlägt. Ich hatte nie an irgendwelchen Lauftreffs oder Kursen teilgenommen und mich stets auf mein Gefühl verlassen, möglichst locker und effizient zu laufen. Aber es geht eben immer noch ein Stück besser. So hatte ich meine Arme vorher immer eher in einem Winkel über 90° neben meinem Körper gehalten, nun probierte ich einen Winkel unter 90°; das Bein beim “Absprung” wurde mehr gestreckt etc. Das verpasste mir schon so einen Schub, dass ich bei einem moderaten Puls von 135bpm das Gefühl hatte, ich würde gleich abheben. Das Gefühl war schon sehr dynamisch (keine Ahnung, wie dusselig das u.U. “von außen” ausgesehen haben mag). Allerdings setzte nach zehn Minuten ein kleiner aber etwas demotivierender Hagelschauer ein. Ich war kurz davor, eine Abkürzung zu wählen, die mich schnell wieder aufs Sofa befördern konnte. Das war mir dann aber doch zu affig, und ich musste an meine alten Kollegen denken, die sich mal mit 25-Kilo-Gepäck bei strömendem Regen tagelang durch den Sarek gequält hatten.
Ich sah dies also als das letzte Abenteuer des urbanen Wilden an (wobei das Laufen durchs nächtliche Wilhelmsburg an sich sowieso eines der letzten großen Abenteuer überhaupt darstellt). Naja, besagte mentale Stärke hat mich durch den Schauer getragen, der aber auch nach 10 Minuten schon wieder zuende war. Ich hatte also noch einen schönen Restlauf von über einer Stunde vor mir, noch eine spontane Schleife durch Kirchdorf-Süd drehend, um das Abenteuer zu komplettieren.
(Der native – oder zugereiste – Wilhelmsburger möge das Wort “Abenteuer” verzeihen. Laufen in der Nacht hat für mich immer etwas abenteuerliches. Der Ort ist dabei eher zweitrangig, und dem Sprung über die Elbe von irgendwelchen Schanzenheinis wird dies weder zu- noch abträglich sein, denke ich.)

16 April, 15:27
Glückwunsch nachträglich zum Marathon-Finish!
Bin gestern auch “Nachts”, allerdings durch Moorburg gelaufen, war aber nicht so abenteuerlich wie in Wilhelmsburg…
Werde mir auch mal das Buch von Hubert Beck näher anschauen.
Mit läuferischem Gruß
::Andreas
16 April, 15:43
@Andreas: Durch Moorburg (oder besser: an Moorburg vorbei) laufe ich auch so alle 2 Wochen. Ist ja gerade eine gigantische Baustelle dort…
Vielleicht sieht man sich ja mal ;-)
Gute Läufe weiterhin
Tilman
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