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Ethik und Leibesübung

Did Not Finish. Müritzlauf 2010.

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Sie: Na, ihr seid ja auch flott unterwegs!
Ich: Öhm ja, läuft ganz rund.
Sie: Was plant ihr denn so – sieben Stunden?
Ich: Ähhh…

Oh. Ja. “Sie” – Grit Seidel. Trainiert gerade für den Spartathlon. Das hätte mir eigentlich umgehend das Signal zum Zurückrudern geben sollen, aber als ich das merkte, war es längst zu spät.

Dabei setzte ich bei km 30 noch eine SMS ab: “Km 30. Allet rund!”, hatte ein sehr nettes Gespräch mit einem sehr erfahrenen Ultraläufer aus Düsseldorf und eben auch mit Grit. Eine Stunde später sah es schon ganz anders aus: Meine Entscheidung, den Lauf abzubrechen, war gefallen. Ich ließ die beiden an der nächsten Verpflegungsstelle ziehen.

Angesichts der Hitze, der zu hohen Anfangsgeschwindigkeit und der auch noch ab und zu auftretenden Seitenstiche war ich nach 38 Kilometern demotiviert. Das Ziel, die komplette Strecke von knapp 77 km zu bewältigen, war in unerreichbare Ferne gerückt.

Es ist schon interessant, was in einem vorgeht, bevor man sich zum Aufhören entscheidet. Kurzzeitig war ich den Tränen nahe, dann wieder erleichtert. Dann stolperte ich einmal, bemerkte bei einer kurzen Pause meinen extrem hohen Puls.

Innerlich hatte ich also mit dem Lauf abgeschlossen, und ich kam dennoch mit einigen Gehpausen bis zum Verpflegungspunkt in Röbel. Hier, bei km 49,8, nahm ich etwas Haferschleim und schwarzen Tee zu mir, setzte mich in den Schatten unter die Bäume und ließ die anderen Läufer an mir vorüberziehen. Froh, dass ich mich so einer weiteren Tortur und eventuellen Schäden entzog, verärgert, weil ich anfangs so unvernünftig war und eine meiner Grundregeln (“Lass dich am Anfang nie mitreißen”) so komplett ignoriert hatte. Eine weitere Grundregel konnte und musste ich dennoch befolgen: “Aufhören, wenn man sich nicht mehr gut fühlt, einem bei Hitze kalt bzw. übel wird”.

(Während ich so dasaß, bemerkte ich, das meine Hände und Arme auf einmal von einer krümelig weißen Schicht bedeckt waren – Salzverlust. Das hatte ich davor in dem Maße auch noch nicht erlebt…).

Am Müritzlauf 2011 werde ich wieder teilnehmen. Gelernt habe ich dafür diesmal hoffentlich genug…

4 Kommentare

  1. Auch rechtzeitiges Aufhören will gelernt sein. Respekt vor Deiner Entscheidung und dem Mut die anderen ziehn zu lassen!

  2. @Frank Ja, das war knapp, aber ich habe die Reißleine tatsächlich gerade rechtzeitig gezogen… Zumindest war ich am nächsten Tag wieder soweit hergestellt, dass ich einen 5km-Regenerationslauf hinlegen konnte ;-)!

  3. Ja der Müritzlauf, wäre auch mal was für mich, da ich ein alter Rostocker bin.
    ABER der ist NOCH zu lang für mich. Geht da auch ne Staffel?
    Das mit dem Salz habe ich beim ersten Marathon gelesen und angewendet und seit dem kommt immer “EINE” ;-) Messerspitze in die Flasche.

    Respekt für den Abbruch, zum Glück stand ich in den 3 Marathon noch nicht ernsthaft vor dieser Entscheidung. Gehen ja, Abbruch -teu teu teu – noch nicht.

    Viel Erfolg für 2011

  4. Hahahahaha,
    na dann hast du wenigstens Grit mal kennenlernen dürfen. Und…
    …DNF hift allen! Den Zweiflern (jetzt haben sie doch Recht) und dir selbst (Lerneffekt)!
    So können also alle eigentlich zufrieden nach Hause gehen und du hast noch ne Rechnung offen. Die anderen aber nicht. Gut! Ich empfehle ja nach wie vor…..
    kommste drauf?

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