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Ethik und Leibesübung

Der Linke hat wohl noch nicht genug gehabt / Foto: Tilman Köneke

56k - war das jetzt schon der erste Ultra?

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Im Zuge der Vorbereitung für den Müritzlauf (76 km) musste ich ja nun irgendwann mal einen etwas längeren Lauf absolvieren. Ich befand mich also angesichts der immer kürzer werdenden Frist zum Lauf sozusagen im Zugzwang.
Der Linke hat wohl noch nicht genug gehabt / Foto: Tilman Köneke
Der letzte große Lauf, so meine eigene Vorgabe, sollte ca. 3/4 der Müritzlauflänge betragen, also mehr als 55 und nicht über 57 km.

Vorbereitung

Im Vergleich zu meinen bisherigen Läufen war es nötig, etwas gründlicher über die Organisation und den Tagesablauf nachzudenken. Ich sollte schließlich ca. 7 Stunden unterwegs sein (Bei 20 oder 30 km kann man einfach einen Getränkegürtel und ein paar Fruchtriegel mitnehmen und losrennen).

Der ursprüngliche Plan war, eine Strecke von 30 km in eine Richtung (an der Elbe entlang) zu laufen, eine kurze Pause einzulegen und dann dieselbe Strecke wieder zurückzulaufen. Das alles mit Fahrradbegleitung für Getränke- und Essenstransport. Das hatte sich jedoch als logistisch schwierig erwiesen, da das Ganze wochentags stattfinden sollte, und ich nicht noch eine weitere Person über 6-7 Stunden in Beschlag nehmen wollte.

Plan B – und damit die schlauere Variante – war, die Gesamtlänge in 3 Teile zu splitten, und zwar so, dass der erste Teil am längsten und der letzte am kürzesten ist (21 km, 19 km, 16 km lt. Google Maps). Jeder Teil entsprach einer Runde, nach der ich kurz (5 min) zuhause einkehren, meine Gürtelflaschen auffüllen und etwas essen konnte.

Die Hauptversorgungsstation war also zuhause. Dort hatte ich 2 l Apfelschorle (Saft/ Wasser = 1/ 3), 1 l dünnen und leicht gesüßten schwarzen Tee, geschnittene Äpfel, Bananen sowie Kekse bereitgestellt. Unterwegs hatte ich zwei kleine Gürtelflaschen mit Apfelschorle sowie eine Tüte mit Trockenobst (Aprikosen) dabei. Vor dem Lauf und nach dem normalen Frühstück aß ich noch eine Banane und trank 0,3 l Apfelschorle mit einer Messerspitze Salz. Letztere Mixtur gab es auch in den zwei Verpflegungspausen.

Das Aufsplitten in kürzer werdende Runden bringt für einen Ultra-Novizen wie mich ein paar psychologische Vorteile mit (nicht immer dieselbe Runde drehen müssen, Variation und Abwechslung, die Gewissheit, dass die nächste Runde kürzer als die momentane ist etc.). Außerdem war ich als Selbstversorger unabhängig von anderen.

Durchführung

Nach dieser Vorbereitung konnte ich um 10:00 Uhr starten. Die erste Runde verlief problemlos, die Pace lag bei 7 min/ km und der Puls war durchweg moderat (127 bpm). Das lag u.a. auch am Wetter, denn es war (noch) nicht zu warm.

In der ersten Pause machte sich meine strukturierte Essens- und Getränkevorbereitung bezahlt, und ich konnte nach gut 5 Minuten wieder erfrischt auf die Piste (meine Befürchtung, dass ich, wenn ich einmal zuhause war und auch noch auf der Toilette sitzen sollte, nicht mehr den A**** hoch bekomme, war unbegründet).

Nach der zweiten Runde hatte ich lustigerweise schon knapp 43 km auf der Uhr (Polar RS400), obwohl ich lt. Google Maps erst bei gut 40 km hätte sein müssen (Rückblickend weiß ich jetzt, dass ich die zweite Runde etwas anders als geplant gelaufen bin, nämlich ca. 2 km länger!). Aber ich habe das dann mal so hingenommen und mir gesagt: “Hey, du hast jetzt einen Marathon hinter dir und bist völlig entspannt”. Phänomenal! Unglaublich!

In der zweiten Runde fiel mir jedoch auf, dass ich bei gleichbleibender Pace (7 min/ km) eine höhere Pulsfrequenz hatte. Das war m. E. darin begründet, dass es wärmer wurde (in der Sonne konnte ich zusehen, wie mein Puls gleich um 15 Schläge nach oben ging) und der Stoffwechsel irgendwo zwischen km 25 und 28 umschaltet (Äh, was da genau passiert, weiß ich gar nicht. Ich werde es in meinem schlauen Buch von Hubert Beck nachlesen…).

Dennoch: Die zweite Runde lief genauso gut wie die erste, völlig problemlos, und als ich nach dem zweiten Päuschen loslief, war ich sehr guter Dinge, wissend, dass ich auch nicht mehr unbedingt die 16 km voll bekommen musste, sondern dass es zu meinem persönlichen Ziel (56 km hatten sich in meinem Kopf festgesetzt) eigentlich nur noch gut 13, 14 km waren.

So lief ich auch den dritten Abschnit weitgehend entspannt, zwar mit etwas höherem Puls, aber bei einer angenehmen Pace. Auffällig war allerdings ab km 50, dass ich immer schneller wurde und mich zusehends bremsen musste. Das war alles andere als leicht. Und ich bilde mir ein, hier einen gewissen Punkt erreicht zu haben, an dem es immer schwerer wird, den Körper unter Kontrolle zu halten. Ich musste mir ganz gezielt und bestimmt sagen: “‘runter mit dem Tempo. Dich hetzt niemand.” Aber eine andere Stimme hielt dagegen und sagte: “Hey, wir sind doch bald zuhause” (Man beachte das “wir”!).

Bei km 52 bekam ich Schmerzen im rechten Oberschenkel, und zwar in Hüftnähe. Ich lief einen Kilometer weiter und sah ein, dass es das Schlaueste wäre, erst einmal ein paar Meter zu gehen. Nach 5 Minuten waren die Schmerzen verschwunden, und ich begann wieder langsam und behutsam loszutrippeln. Ein paar Meter weiter hatte ich wieder eine normale Laufbewegung aufgenommen, allerdings war meine Motivation etwas angeknackst. Allerdings hatte ich es auch nicht mehr weit bis zu den vollendeten 56k. Von Zuhause war ich aber dennoch über 5 km entfernt (die Gesamtstrecke hätte wahrscheinlich 60 km betragen).

Was sollte ich also tun? Weder mental noch physisch fühlte ich mich in der Lage, ganz nach Hause zu laufen. Die Bushaltestelle in ca. 500 m Entfernung tat ihr Übriges. Als ich dort anlangte, war ich bei km 56,8. Was wollte ich mehr? Ich war glücklich und erschöpft. Nein: Mehr glücklich als erschöpft.

Fazit

Welche Frage mich eigentlich die ganze Zeit (6:38) über beschäftigt hat, ist, ob ich nach Beendigung des Laufes nun auch tatsächlich einen Ultramarathon gelaufen bin. Oder ob es dadurch, dass ich zwischendrin zuhause war und auf dem Klo saß, eher drei separate Läufe mit 5-minütigen Pausen waren. Obwohl: Bei einem offiziellen Ultra muss man/ frau ja auch mal für ein paar Minuten hinter die Hecke und ist nicht gleich disqualifiziert, oder?

Die Treppen in den ersten Stock bin ich locker hochgestiegen, die leicht schmerzende Hüfte habe ich mit Traumeel eingerieben. Am nächsten Tag waren alle Schmerzen Geschichte, und ich konnte am Abend einen kleinen Lockerungslauf einstreuen. Müritz, ick komme!

Folgende Seite hat mir übrigens sehr den Schrecken vor großen Strecken genommen:
www.extremeultrarunning.com/1stultra.htm

10 Kommentare

  1. Sehr, sehr gut gemacht. Ich bin ganz dolle stolz auf dich und glaube mir: Längere und schwierigere Strecken sind für dich ausschließlich noch reine Kopfsache. Glückwunsch !!!

  2. Hallo Petzi s.,

    danke schööön! Wir werden die Müritz rocken ;-)

  3. Jut jemacht, Meester!
    Luv, F.

  4. Klasse!
    Über das “wir” müssen wir mal bei Gelegenheit quatschen.

  5. So, so, du wirst den Müritz-Lauf in Angriff nehmen, hoffentlich wird es nicht zu warm werden, ich habe ihn bei heißen 30 Grad hinter mich gebracht, obgleich ich wirklich keine Hitzeläuferin bin.

    Keine Angst vor langen Strecken das kann ich unterschreiben, eine solide Basis und den Kopf bereit zu Schandtaten, und dann geht es, auch wenn man manchmal glaubt, es ginge nicht mehr !

    Dein erster ?

  6. Hallo ultraistgut,
    ja, mein erster… 30 Grad wären ja schon heftig. Ich bin auf die Erfahrung gespannt!

  7. Hallo,
    herzlichen Glückwunsch zum 1.Ultra. Der natürlich auch einer ist. Es ist ganz normal, daß man bei einem UltraLauf auch mal eine Pause macht oder einfach nur im Schritt geht. Den Müritzlauf bin ich schon mal gelaufen, anspruchsvoller Lauf. Leider mit einem Großteil schneller Läufer. Sei froh, daß du einen Begleiter hast.

    Viel Spaß beim 2.Ultra ;-)
    Gruß
    Holger

  8. Der Müritz-Lauf naht, ich hatte kurzfristig auch noch mit dem Gedanken gespielt, aber in Anbetracht der eventuell zu erwartenden Hitze verzichte ich und lasse dich laufen, du hast einen Betreuer oder Begleiter ?

    Freue dich -lange Strecken zu laufen ist genial, man wächst daran, auch wenn es manchmal sehr hart erscheint.

    Wichtig: Gib nicht auf, du wirst es bereuen,es geht immer weiter, auch wenn man es nicht vermutet !

    Viel Glück ! 8)

  9. @Holger Ah – danke für die Bestätigung ;-) Ich werde dann von meinem 2. Ultra berichten!

  10. @ultraistgut Schade, dass du nicht mitläufst – sonst hätte ich dir hinterherwinken (-hinken) können!

    Ein erfahrener Ultra-/Trailläufer hat sich bereit erklärt, mich unter seine Fittiche zu nehmen (Hallo Hauke ;-))). Und evtl. platziert sich Mutti ja auch noch strategisch günstig mit ‘nem Picknickkorb.

    Ich werde deinen Ratschlag (“nicht aufgeben”) beherzigen!

    Danke und Grüße
    Tilman

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