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Ethik und Leibesübung

"Hast du das 'ganz Schlimme' oder das 'normal Schlimme' mitgemacht?"

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Hm – war das jetzt schlimm oder sogar ganz schlimm? Der 100km-Läufer, der mich dies fragte, meinte mit dem “ganz Schlimmen” den 100-Meilen-Lauf, der zum 5. Jubiläum des Thüringen Ultra erst- und einmalig durchgeführt worden war. Zu diesem Zeitpunkt hatten er und ich bereits das Ziel erreicht.
Das Ziel ...
Mein erster 100-Kilometer-Lauf, und ich habe ihn tatsächlich bewältigt. Ein halbes Jahr recht intensiven Trainings, 3 Wochen, die mich erkältungsbedingt aussetzen ließen, und dennoch hat alles geklappt. Und so sitze ich am Abend danach vor meinem 2,5ten Teller Vollkornpenne mit Soja-Bolognese, schaufele wieder Energie in mich hinein.

Was hat mich da durchgebracht? Der Kopf. Das “nicht-an-die-Strecke-denken”. Das “nicht-an-Muskelversagen-denken”. Das “nicht-an-Schmerzen-denken”. Die Gespräche mit einem Zufallslaufpartner, die die Zeit nicht lang werden ließen. Das kühle Wetter. Das langsame Tempo. Und wer weiß, was noch alles. Jedenfalls hat alles perfekt gepasst.

Zwischendurch tauchen auch jetzt immer wieder Bilder und Eindrücke auf: Beeindruckende Baumpilze, kalte Hände ab km 85, der kollabierte 100-Meilen-Mann, den ich nach meinem Lauf an der Suppentheke auffangen durfte, und von dem ich dachte, er zähle die Nudeln, Hunde, die mehr als 100km laufen und dabei besser aussehen als ihr Herrchen, Cheerleader bei km 95, Pellkartoffeln am Verpflegungsstand, Angstbier am Vorabend, Uwe aus dem Ruhrgebiet, der schonmal einen Marathon in Stahlwerkermontur absolviert hat … Ok, Schluss.

Danke an: Die vielen Helfer, das Lauffeuer-Org-Team, Helmut (der einen gewissen Anteil daran trägt, dass ich das geschafft habe), meinen netten unbekannten Fahrradbegleiter auf den letzten 4km, und am allermeisten an Jörg, mit dem ich eigentlich zusammenlaufen wollte. Der allerdings hat das “ganz Schlimme mitgemacht”, was unseren Plan, ab Kilometer 70 (er) bzw. 10 (ich) als relativ sinnlos entlarvte. Aber man lernt ja nie aus.

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